Fachausbildungen


Grundhaltung 

Wann wird es endlich wieder so, wie es früher nie war,… früher, da „bewegte“ mich eine Kawasaki KLE 500 über die sanften Hügel der Mühlviertler Berge. In der Zwischenzeit habe ich das Motorrad gegen ein altes Mountainbike eingetauscht, und aus den sanften Hügeln sind steile Berge geworden, auf denen ich mich mehr rauf als runter quäle und… werde dabei ständig überholt - von muskelbepackten, raddressgestylten KampfbikerInnen oder älteren Herr- u. Damenschaften auf deren E-Bikes. Demütigend ist das. Aber diese Elektroradeln sind eine großartige Erfindung. Der Weg ist steil und schier endlos, man ist müde, demotiviert und will/kann einfach nicht mehr. Da lächelt er einen auch schon an, der kleine rote Einschaltknopf des E-Motors…sehr praktisch! Oben angekommen braucht man keine Hilfe mehr und schaltet wieder ab.

Als Supervisor habe ich die gleiche Aufgabe wie dieser Motor. Ich muss dann entlasten, unterstützen und helfen, wenn es notwendig wird. Ist der Hügel geschafft, werde ich nicht mehr gebraucht – also abschalten. Doch der kleine rote Einschaltknopf bleibt lächelnd als Option.

Rad fahren ist etwas, das ich gerne alleine mache. Klettern oder am Berg gehe ich lieber mit meinen beiden Kindern oder FreundInnen. Ein roter Einschaltknopf lächelt mich hier allerdings nicht an. Dafür passen meine SeilpartnerInnen gut auf mich auf, sowie ich auf sie. Wir übernehmen unsere Rollen und Aufgaben - die ausgesprochenen ebenso wie die unausgesprochenen - und tragen so zum Gelingen der Seilschaft bei. Schön, wenn mir die Menschen dabei sympathisch sind. Nur darf dieses Mögen der anderen dem professionellen Handeln und dem Respekt vor dem gemeinsamen Ziel nicht im Wege stehn. Die gegenseitige Kontrolle wird zur Wertschätzung. Es reicht oft nur ein Blick in ein müdes Gesicht und ich weiß, wir brauchen eine Pause. Wandert dieser Blick weiter gen Himmel und sieht ein bedrohliches Gewitter herannahen, dann brauchen wir keine Pause, sondern gegenseitige Hilfe beim Tragen der Rucksäcke und des Materials.

Für Arbeitsteams gilt Ähnliches. Sympathie für die KollegInnen ist gut, aber keine Notwendigkeit. Allemal notwendig ist der wertschätzende Umgang miteinander sowie der Respekt vor dem Arbeitsauftrag, dem gemeinsamen Ziel.

Bei Seminaren und Klausuren steht es mir als Kommunikationstrainer gar nicht zu, die „Rucksäcke“ der TeilnehmerInnen zu tragen. Meine Aufgabe ist es, gemeinsam Strategien und Handlungsmuster zu entwickeln, wann wer welchen „Rucksack“ übernimmt, wie sie/er das tut, und was sie/er dazu braucht. Ebenso liegt es in meiner Verantwortung, kommunikative und konfliktbewältigende Kompetenzen zu vermitteln, um sowohl den beruflichen Alltag bewältigen zu können als auch gegen drohende Gewitter gewappnet zu sein.

Ob nun Radfahren oder Berggehen, ohne Gelassenheit und ohne Neugierde wäre beides eine leidenschaftslose Mechanik für mich, fad und trostlos. Ab und zu der Neugierde nachgeben und einen neuen Weg ausprobieren kann schon spannend sein. Weniger spannend, dafür aber umso notwendiger ist es, rechtzeitig und mit einem Lächeln im Gesicht diesen Weg zurück zu gehen, sobald er sich im Nichts verliert und… einen neuen zu versuchen.